Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeiter aus einem Großraumbüro der 50er Jahre hätte sich in unsere Zeit gebeamt: Alles wäre anders - nicht nur, dass nirgendwo geraucht wird. Die größte Veränderung der letzten zwanzig Jahre brachte das Internet. Laut hootsuite war 2018 bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung online. Eine Steigerung von 7% zum Vorjahr und natürlich ist hier kein Ende in Sicht. All die Milliarden Menschen sind aber nicht nur zum Spaß im Netz, sondern sie nutzen auch beruflich Wissens-, Arbeits- und Kommunikationstools online. Was macht das mit unserem Arbeitsstil? Und welche Arbeitsweisen empfinden wir heute als alt? Lesen Sie im Folgenden, ob ‘alt’ auch gleich ‘überholt’ bedeutet und was die neuesten Entwicklungen der digitalen Arbeitswelt sind.

Alte und neue Arbeitsweisen im Vergleich

Die gute Nachricht für alle Anhänger alter Arbeitsweisen vorweg: Mit den neuen Möglichkeiten werden die alten nicht ersetzt, sondern lediglich erweitert. Gefährlich wird es nur für MitarbeiterInnen, Chefinnen und Chefs, die sich der digitalen Welt ganz verschließen. Sie bleiben auf der Strecke und können nicht mehr an den normalen Arbeitsprozessen teilhaben. Deshalb besteht eine Notwendigkeit zu Fortbildungen und Workshops für all diejenigen, die Angst vor Wörtern wie Cloud, Online-Zusammenarbeit oder Intranet haben. Das Change Management kann in Unternehmen die digitale Transformation begleiten. So werden IT-Projekte aus einer Hand gesteuert und die MitarbeiterInnen entsprechend auf die neuen Herausforderungen eingestellt. Aber was hat sich bereits verändert? Hier ein Überblick:

Alte Arbeitsweisen vs. Neue Arbeitsweisen

Kommunikationskanäle

Telefon, E-Mail und Gespräch. vs.Intranet, neue Digitools wie

Trello: Projektmanagement von Notizen, Tabellen etc.

Slack: Chat statt E-Mail

Yammer: Privates soziales Netzwerk in Unternehmen

An der neuen Online-Kommunikation sehen Sie, wie Digitalisierung funktioniert: Die alten Kanäle bleiben, aber sie werden ergänzt. Das schafft die Chance, von überall und zu jeder Zeit zu arbeiten. Damit das eine neue Freiheit bedeutet und keine neue Pflicht, gilt es in Unternehmen frühzeitig verschiedene Arbeitszeitmodelle zu testen.

zeitliche Verfügbarkeiten

feste Arbeitszeiten vs. neue Arbeitszeitmodelle

Flexibilität bietet in der digitalen Welt viel Freiraum, z.B. für Väter im Home-Office oder Chefinnen, die gerne im Winter auf einer sonnigen Südseeinsel arbeiten. Gleichzeitig muss es Regeln geben, die von Politik und Wirtschaft aufgestellt werden sollten, damit aus viel Freiheit am Ende nicht die Freiheit zu mehr Arbeit wird.

Hierarchien

starres Modell des unten und oben vs. neue Kollegialität

Die Zusammenarbeit in einem modernen Unternehmen setzt auf Kommunikation. Befehlsketten werden durch ein gelebtes Miteinander ersetzt. Nicht jeder ist für diese digitale Umstrukturierung bereit, aber besonders Start-Ups und jüngere GründerInnen machen es vor.

Kundenkommunikation

E-Mail und Telefon vs.  zahlreiche Kommunikationswege

wie Chatbots, personalisierte Werbung,
Social Media
Die neuen Kunden wollen wählen, wie sie mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen.

Transparenz

Sichtbarkeit des Unternehmens vor Ort vs. Notwendigkeit einer weltweiten Unternehmensstrategie

Früher wusste die/ der UnternehmerIn genau, wem Informationen über die Firma zur Verfügung standen. Heute gibt ein digitales Unternehmen online Einsicht über seine Firmenphilosophie und wirft sich damit auf den weltweiten Markt. Dementsprechend durchdacht sollte die Onlinestrategie Ihres Unternehmens sein.

Kundenanspruch

Wissen über die Produkteigenschaften vs.  Wissen um Herkunft, Vergleichbarkeit Preis, Verbesserungsmöglichkeiten etc. des Produkts

Das Internet als Vergleichsportal macht nicht nur preislich Druck auf Unternehmen. Sie sollten heute offen legen, wo, wie und von wem Ihr Produkt gefertigt wird. Kunden wählen nach diesen Kriterien aus.

Bürokratischer Aufwand

Eigenständiges Eintippen
Buchhaltungstools
billomat: Organisation von Rechnungen
freefibu: Buchhaltung und Steuerberatung
debitoor: Rechnungsprogramm vor allem für kleine Unternehmer, Freelancer und Gründer
sevdesk: Buchhaltungssoftware

Der Verbrauch von vielen Arbeitsstunden, Schweiß und Nerven war gestern. Heute kann die Buchhaltung bereits mit wenigen Klicks errechnet werden.

Die Stelle des Buchhalters

Eigene Abteilung
Programmierer der Software
Zwar braucht es den menschlichen Prüferblick und den Programmierer für die Software, aber trotzdem sparen diese Tools Geld und Zeit.

Banking

Unflexible Kredite und viel Papierkram
Digital Banking und Wachstumsförderung

Auch im Banking entstehen immer neue Online-Modelle, die zahlungsfähigen Kunden schnelle und flexible Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Oft ist die Kopplung mit den Buchhaltungstools möglich, um noch schneller abzurechnen.

Büroausstattung

Praktische Ausstattung vs.  Praktische Ästhetik

Früher war ein Büro eben ein Büro. Heute geben sich viele Unternehmen Mühe, die Arbeitsatmosphäre ansprechend zu gestalten. Gut ausgebildete MitarbeiterInnen erwarten Angebote, die über Stuhl und Tisch hinausgehen, z.B. Aufenthaltsräume, Pflanzen, Gimmicks wie Eisautomaten usw.

Freizeitangebot

Außerhalb des Unternehmens vs. Work-Life-Balance durch breites
Sport/ Unterhaltungs/ Erholungsangebot

Mehr als ein Raum: Freizeitangebote bestehen z.B. in Pilates-Kursen für die Belegschaft, Boxtraining, Meditationskursen etc. Als UnternehmerIn zeigen Sie damit, dass Ihnen die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer MitarbeiterInnen am Herzen liegt.

Mitarbeiter

Körperliche Arbeit vs. Denkarbeit

Die Geschichte der Menschheit ist ein Prozess, in dem wir immer weniger körperliche Arbeit verrichten mussten. Mit der Digitalisierung verschärft sich diese Entwicklung. Das kreative Denken kann jedoch (noch) von keiner Maschine übernommen werden. Das digitale Zeitalter sollte also das Zeitalter menschlicher Kreativität sein!

Maschinen

Menschliche Arbeit und Elektronik
Robotik, 3D-Druck, augmented Reality und Drohnen

Natürlich gab es bisher auch schon elektronische Maschinen, die Menschen Arbeit abnahmen. Dennoch erreichen Robotik und Co. eine neue Dimension. Als Unternehmen muss es darum gehen, die Maschinen möglichst gut zu überwachen. Damit am Ende der neuen Arbeitswelt nicht die Betriebs-Arbeitshalle ein Raum ist, in dem Maschinen das Denken ihrer niedlichen kleinen Menschlein überwachen.

Alles bleibt Neu

Der neue Arbeitsstil basiert auf Online-Tools, Maschinen, neuen Unternehmensstrukturen und einer anderen Einstellung zur Arbeit. MitarbeiterInnen sind nie ganz weg von der Arbeit, sie brauchen aber auch an festen Arbeitsplätzen immer wieder Freizeitmöglichkeiten. Old work bleibt die Basis jeder Zusammenarbeit. New work hilft den Unternehmen dabei, Prozesse zu verschlanken und zu beschleunigen. Im steten, weltweiten Konkurrenzkampf wird es so schwierig für Unternehmen, die sich bereits gegen Wlan im Büro sträuben. Das digitale Zeitalter braucht vielmehr Vordenker, die mit neuen Ideen die aktuellen Arbeitsmethoden wieder und wieder revolutionieren. Schließlich ist die Digitalisierung nicht abgeschlossen, sondern wird Tag für Tag vom Arbeitsstil jedes einzelnen beeinflusst.

Welche persönlichen Erfahrungen machen Sie mit den neuen Arbeitsweisen, die von der Digitalisierung geprägt sind?
Erzählen Sie uns davon in den Kommentaren.