“Ich hab mit dem Bordcomputer gesprochen“, sagt der depressive Roboter in “Per Anhalter durch die Galaxis zu seinem menschlichen Begleiter. – „Und?“ – „Er hasst mich.“ Noch sind Maschinen mit Emotionen reine Fiktion. Doch KI (Künstliche Intelligenzen) wird immer mehr und automatisiert bereits viele Prozesse in Unternehmen. Diese Entwicklung von Algorithmen und Maschinen gilt längst als vierte industrielle Revolution.

Unternehmen sollten also sehen, dass Sie hier Schritt halten. Sie erinnern sich ja sicher noch, was Ende des 19.Jahrhunderts mit den Webereien geschah, die Webmaschinen für gefährlich hielten? Sie erinnern sich nicht? Eben, keiner erinnert sich an sie. Laut einer aktuellen Prognose des Weltwirtschaftsforums (WEF) sollen Roboter bis 2025 weltweit bereits mehr als 50% der Arbeitsleistung übernehmen. Aktuell sind es bereits etwa 29%.

Jetzt kann man sich entweder wünschen, in einem anderen Jahrhundert zu leben - wie wäre es mit der Zeit der Weber? - oder man kann sich damit auseinandersetzen, was KIs für Unternehmen bedeuten. Wo werden Arbeitskräfte ersetzt? Wie profitieren Sie von den automatischen Helfern? Lesen Sie im folgenden Artikel alles über die Chancen und Gefahren der Automatisierung.



Was können Roboter und Co.?

KIs sollen all das tun, was Menschen nicht wollen oder wo Arbeitskräfte teuer sind. Doch was heißt das konkret für Ihr Unternehmen? Und in welchen Bereichen könnten uns Maschinen künftig noch unterstützen?

Heute:

Entscheidungswege verkürzen

In modernen Unternehmen werden die Hierarchien durch Teams abgelöst. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass KI-basiertes Intranet eine neue Form der Kommunikation ermöglicht. Alle arbeiten zusammen. Das heißt Entscheidungen werden gemeinsam getragen, Projekte gemeinsam erarbeitet.

Schwere Handarbeiten abnehmen

“Faulheit ist die Mutter aller Erfindungen.” Dieses Zitat von Carl Goetz, einem dt. Schauspieler und Autor, erklärt den Ursprung der Maschinen. Noch heute schonen die meisten KIs unsere Muskelkraft. Sie ersetzen Arbeiter z.B. am Fließband, wo früher schwer gehoben werden musste. Menschen arbeiten dadurch sehr viel weniger körperlich. Das hat Vor- und Nachteile. Bewegung wird immer mehr zu einer Beschäftigung, die Sie in der Freizeit ausüben, um fit zu bleiben.

Routinearbeiten erledigen

Routine erleichtert Aufgaben, kann aber auch langweilig werden. KIs sind besonders gut daran, Jobs zu übernehmen, die sich durch ständige Wiederholung auszeichnen. Wenn Ihr Unternehmen beispielsweise die Büroarbeiten automatisiert, ärgert sich niemand mehr mit Steuerformularen, Abrechnungen oder Bilanzen herum. KIs haben keine schlechten Montage - sie erfüllen die bürokratischen Aufgaben immer gleich effizient. Die Menschen können stattdessen kreativ arbeiten. Sie sind aber auch mehr gefordert, denn sie müssen nicht nur mitdenken, sondern auch einordnen und führen, während die Maschinen z.B. stumpfe Rechenprozesse übernehmen.

Flexibilität ermöglichen

Die meisten Menschen lieben Gewohnheiten und meiden es, sich umstellen zu müssen. Maschinen können beides. Eine KI kann schnell auf Marktveränderungen reagieren, ohne sich von Gefühlen leiten zu lassen. Ihr Kunde hat einen bestimmten Wunsch? Menschen würden sehr lange brauchen, sich auf eine neue Nachfrage einzustellen. Eine KI-basierte Software ändert sofort ihr Verhalten und kann z.B. die Produktion von Schokoriegeln auf solche ohne Zuckerzusatz umstellen: Die Maschine errechnet das neue Rezept, sie entfernt die Zutat von allen Verpackungsdruckvorlagen, sie kann im Marketing auf das neue Produkt aufmerksam machen und sie weiß nach kürzester Zeit, ob dieser Schokoriegel eine gute Idee war.

Unternehmen strukturell voranbringen

KIs liefern Zahlen. Wer diese vergleicht oder z.B. von Projektmanagement-Tools vergleichen lässt, weiß bald mehr über sein Unternehmen. Das gilt nicht nur für die Verkaufszahlen, sondern für alle Bereiche, die an einem Produkt arbeiten. Durch die Datenmengen, die eine KI zur Verfügung hat, kann sie Rückschlüsse ziehen. Wichtig ist natürlich immer, dass diese Rückschlüsse von einer menschlichen Intelligenz hinterfragt werden. Wenn das klappt, dann kann ein digitales Unternehmen nur davon profitieren, mehr über die internen Prozesse zu wissen als andere. In Zeiten des stetigen Wandels sind Daten die Basis für Veränderungen.

Assistieren

KIs müssen nicht immer alles alleine machen - Menschen aber auch nicht. “Cobots” (Collaborative Robots) sind für die Kooperation mit Menschen gedacht. Der Markt verzeichnet hier aktuell ein enormes Wachstum. Daher sind solche assistierenden Maschinen, die bei komplexen Aufgaben wie z.B. einer Montage in der industriellen Fertigung helfen können, mit etwa 50.000 US-Dollar relativ günstig.

Und in Zukunft:

Bezugsperson sein

Die Diskussion, ob KIs Menschen in Bereichen wie Pflege, Gesundheitsvorsorge oder als Psychologen ersetzen können, ist besonders spannend. Nicht ohne Grund gibt es hier starke Befürworter und Gegner. Die ersten Erfindungen wie z.B. Pflegeroboter, asiatische Haustierroboter oder Kita-Roboter, die Kinder unterhalten, gibt es bereits. Eine Maschine, die Bezugsperson sein soll, muss zwei Dinge können:

Emotionen nachahmen und auf diese reagieren

Noch ist dieser Bereich für KIs besonders schwierig. Das liegt daran, dass Maschinen nicht zwischen den Zeilen lesen können. Sie argumentieren mit eingespeisten Daten oder ihren Suchergebnissen im Netz. Ein Gespräch mit einem Roboter, z.B. der Dialog mit Eliza, ist also meist sehr beschränkt. Der menschliche IQ ist der Technik hier noch voraus. Wenn Sie das selbst testen wollen, können Sie einem Chatbot z.B. einmal erzählen, wie Sie sich gerade fühlen. Sobald der Chatbot Ihnen darauf eine individuelle Antwort geben kann, die zu Ihren Erfahrungen und Ihrem Charakter passt, sind wir in der Zukunft der KIs angekommen.

Sprechen

Für uns ab Kindesalter kein Problem - für KIs durchaus. Noch heute sprechen Computer nicht komplett realistisch, auch wenn es immer wieder neue Beispiele gibt, in denen Menschen nicht erkennen, dass Ihr Gegenüber eine KI ist. Die große Herausforderung liegt laut Julia Hirschberg von der Columbia University und Christopher M. Manning von der Standford University nicht am Wortschatz. Dieser kann erlernt und programmiert werden. Um zu sprechen, brauchen wir Kontextwissen, das den KIs oft fehlt, sagen die Forscher in ihrer Studie über die Fortschritte natürlichen Sprechens.

Dienstleistungen anbieten

Ähnlich wie die Rolle der Bezugsperson ist auch die des Dienstleisters diskussionswürdig. Ein menschliches Gegenüber kann schlechte Laune haben. Das ist für viele Chefs von Supermärkten, Restaurants oder Kosmetikstudios ein Nachteil. Die Frage ist auch hier, ob die KI adäquat auf Emotionen reagieren kann. Viele Kunden können sich heute z.B. noch keine Betreuung durch eine KI als Arzt vorstellen. Aber der Dienstleistungsbereich ist breit und im CRM (Customer Relationship Management) arbeiten KIs schon. Dort ermöglichen sie personalisierte Werbung und schneidern Angebote individuell auf den Kunden zu. Der große Vorteil ist also eine Betreuung, die kaum punktgenauer auf Sie zugeschnitten sein könnte. Allerdings braucht die Maschine dafür Daten - und diese müssen geschützt sein, damit Menschen nicht jede Intimität preisgeben.

Lernen

Menschen lernen durch Wiederholung, durch Vorbilder und Nachahmung. Das tut auch jede KI. Allerdings fehlt ihr ein wichtiger Baustein im Unterschied zum Menschen: Der Algorithmus kennt keine Moral. Erste Beispiele von Bots, die in Social Media agieren, zeigen das. Der Tay-Bot lernte z.B. innerhalb von Stunden rassistische und sexistische Kommentare zu schreiben. Wer also eine superschlaue KI will, der muss sich überlegen, wie Maschinen dabei moralische Standards erfüllen können.

Nebeneffekte der Automatisierung

Es bringt nichts die KIs zu verteufeln oder sich vor ihnen zu fürchten. Die Lösung lautet: Wir müssen die Maschinen beherrschen, nicht sie uns. Deshalb werden die Nebeneffekte der Automatisierung oft zu wenig beachtet - sie machen am Ende den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Maschine. Welche Effekte sind das?

Neue Jobs hier - weniger Jobs da

Die Studie des WEF besagt auch, dass bis 2022 weltweit  75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Das ist die größte Angst der Gegner der Automatisierung. Allerdings entstehen laut dieser Prognose durch die Entwicklung von Maschinen und Algorithmen auch 133 neuartige Jobs. Die Arbeitsplätze sind also nicht weg - sie sind nur woanders. Das heißt auch, dass sich Politik und Wirtschaft gemeinsam auf diese Veränderungen vorbereiten sollten. Die Aufgaben für Unternehmer lauten daher: Umstrukturieren, weiterbilden und sich selbst immer wieder informieren, was für neue Entwicklungen es gibt. In folgenden Bereichen ändert sich einiges:


Neue Arbeitskräfte

  • Roboter-Spezialisten
  • Softwareentwickler
  • Datenanalysten

Weniger Arbeitskräfte

  • Büroangestellte
  • Fabrikarbeiter
  • Bankangestellte

Unternehmen müssen ...

  • ihre Angestellten qualifizieren
  • die Strukturen umstellen
  • staatliche Fortbildungen, Schulungs- und Bildungsangebote fordern und nutzen

Neue Diskussion um die Werte unserer Gesellschaft

Die Automatisierung kommt so oder so - die Frage lautet nur, wie wir sie gestalten. Es ist deshalb extrem wichtig für die moderne Gesellschaft, dass neue moralische, praktische und vielleicht sogar philosophische Fragen neu diskutiert werden. Als Unternehmer können und sollten Sie dabei Vordenker sein.

Neue Sinnfragen der Automatisierung

  • Was wollen wir mit unserer Zeit anfangen?
  • Wie viel Arbeit ist gesund, wieviel Arbeit brauchen wir?
  • Was ist uns ein reales Gespräch wert?
  • Welche gesellschaftlichen Aufgaben gehen wir an, wenn uns die “schweren Arbeiten” von Maschinen abgenommen werden?
  • Was ist Kreativität? Kann eine Maschine z.B. einen Song schreiben?
  • Wer bestimmt, welche Werte eine KI vertreten soll?

Praktische Fragen der Automatisierung an Politik und Wirtschaft

  • Soll es Steuern auf Maschinen geben?
  • Wie wird mit den Daten, die von den KIs ermittelt werden, umgegangen?
  • Dürfen KIs Ämter einnehmen?
  • Dürfen KIs Menschen Befehle geben?
  • Soll über die Werte für KIs abgestimmt werden?

Alles geht automatisch - aber was soll?

KIs können heute in Unternehmen große Veränderungen bewirken: Sie können Mitarbeitern assistieren, Unternehmen strukturell umbauen, Hierarchien abbauen, mehr Flexibilität garantieren und sie nehmen uns schwere Handarbeiten und nervige Routine-Arbeiten ab.

Dennoch ist die Zukunft mit Maschinen in vielen Fragen noch sehr offen. Sie hängt ab vom gesellschaftlichen Diskurs, der sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickelt. Unternehmen sollten wissen, wie sie zur Automatisierung stehen. Stellen Sie sich das heute noch Unmögliche vor und fragen Sie sich schon jetzt, an welchen Schnittstellen Ihres Unternehmens Sie nicht auf Menschen verzichten wollen. Wenn Sie einen genauen Plan haben, wie die Prozesse künftig ablaufen sollten, dann bestimmen Sie über die Maschinen. Sie setzen Ihren Plan um.

Die automatische Welt von morgen braucht Menschen, die wissen, welche Werte dort gelten sollen und welche Grenzen es für den Einsatz von Maschinen gibt. Damit nicht irgendwann so ein netter großer Computer wie der HAL 9000 beschließt, dass er in seinem Unternehmen ganz auf menschliches Leben verzichten kann.

Haben Sie bereits mit der Automatisierung Ihres Unternehmens begonnen? Was sind Ihre Hoffnungen und Ängste im Bezug auf KIs in der Zukunft? Erzählen Sie uns davon in den Kommentaren.