Edle Armbanduhren, Taschenuhren im Vintage-Stil und glänzende Uhrwerke in Nahaufnahme: Stilvoll und klassisch präsentiert sich das Manßhardt & Kurzidim Uhrenatelier. Allerdings nutzen sie dafür Medien, die für ihre altmodische Branche eher unüblich sind: Facebook und Instagram.  Mitgründer und CEO Michael Manßhardt erklärt uns im Interview, wie er zusammen mit Geschäftspartner Sven Kurzidim dem traditionellen Uhrenhandwerk einen modernen Anstrich verleiht.

Vorreiter der Branche: Mit Online-Marketing der Konkurrenz voraus

Die beiden Uhrmachermeister haben ihre Werkstatt im niedersächsischen Bockenem im September 2015 gegründet. Dort reparieren sie hochwertige Uhren verschiedenster Marken und sind zudem gerade dabei, ein eigenes Uhrenmodell zu entwickeln. Von Anfang an setzten sie auf moderne Marketingmethoden. In der Digitalisierung sieht Michael Manßhardt eine große Chance für sein Unternehmen: “Im Grunde schenkt uns die Digitalisierung zwei Optionen. Zum einen Transparenz, die wir nutzen, dem Kunden offen entgegenzutreten. Zum anderen lässt sich Werbung steuern und erreicht exakt die Zielgruppe, die ich mit meiner Anzeige begeistern möchte.” Er ist sich darüber bewusst, dass Online-Marketing in seiner Branche bisher noch nicht so verbreitet ist und nutzt die Möglichkeit, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen: “So haben wir einen klaren Vorteil gegenüber den Unternehmen, die im Internet noch nicht sehr präsent sind.”

Am meisten Neukunden eingebracht haben ihm Werbeanzeigen auf Google AdWords. Instagram (mk.uhrenatelier) und Facebook haben dabei geholfen, ein Netzwerk aufzubauen und sowohl regional als auch überregional für Aufmerksamkeit zu sorgen. So beschränkt sich der Kundenstamm keineswegs auf den Standort Bockenem: “Der Wohnort unserer Kunden ist sehr unterschiedlich. Von Göttingen bis Hamburg ist alles dabei.”

Uhrwerke auf Instagram: Vom Handwerk zur Kunst

Einige Kunden sind also durchaus bereit, ein paar Kilometer zurückzulegen, um ihre Uhr im Manßhardt & Kurzidim Uhrenatelier reparieren zu lassen. Wie sich die Werkstatt von anderen Uhrmachern abhebt? “Ganz klar, durch die Paarung aus traditionsreichem Handwerk und jugendlichem Sexappeal” scherzt Michael Manßhardt und fügt hinzu, “nein, quatsch, was wir versuchen, ist den Bezug zwischen Handwerk und Kunst herzustellen.” Auf Instagram posten sie ansprechende Fotos von Uhren aller Art, aber auch von kunstvoll inszenierten Ersatzteilen und altem Werkzeug. “Damit wollen wir den Wert des Handwerks hervorheben und natürlich unsere gute Arbeit demonstrieren.” Derzeit haben sie auf Instagram mehr als 300 Abonnenten sowie über 500 Facebook-Fans. Gar nicht mal so wenig für ein relativ junges Zwei-Mann-Unternehmen in einer norddeutschen Kleinstadt.

Ihre Instagram Fotos, die Manßhardt und Kurzidim übrigens durchweg selbst schießen, strahlen den gleichen eleganten Vintage-Charme aus wie alte Bibliotheken, teurer Whiskey und Zigarren; ein Hauch von klassischem Luxus, der beim vorwiegend männlichen Kundenstamm sehr gut ankommt. So ist das Uhrenatelier mehr als eine Werkstatt - es wird zu einer unverwechselbaren Marke, die ein Lebensgefühl vermittelt. Auf Facebook teilen die Uhrmacher nicht nur Videos von Reparaturen, sondern auch Fakten und Events wie Vorträge und Ausstellungen rund ums Thema Uhrenhandwerk - egal ob sie diese selbst organisieren oder die Events anderer weiterempfehlen. Die Reaktionen auf die Social-Media-Strategie sind durchweg positiv: “Es geht wohl eine gewisse Faszination von den Uhren aus, die vor allem bei Männern ein großes Interesse weckt. Mit den Konkurrenten ist es oft ein kleiner Austausch der handwerklichen Skills, das ist sehr interessant! Zumal das Netzwerk dadurch über den ganzen Planeten verstreut ist.”

“Wie die Uhr in den Turm kam”: Marketing mit Mehrwert

Digitalisierung hin oder her - die beste Werbung bleibt für Michael Manßhardt die Mund-zu-Mund-Propaganda. Deshalb betreiben sie nach wie vor auch offline Marketing. “Wir stehen dem Uhrmacherhandwerk mit einer großen Leidenschaft gegenüber und sind intuitiv bemüht, unseren Kunden diese zu vermitteln.” Dazu bieten die Uhrmachermeister ab Oktober Uhrenseminare an, in denen sie ihre Expertise teilen. Auch laden sie immer wieder zu einem Tag der offenen Tür und ähnlichen Events Kunden und Interessierte in ihre Werkstatt ein. Im Turmuhren- und Heimatmuseum Bockenem hielt Michael Manßhardt zudem letztes Jahr einen Vortrag zum Thema “Wie die Uhr in den Turm kam - eine kleine Geschichte über die Entwicklung der Zeitbestimmung.” “Die Geschichte der Zeitmessung hängt sehr mit der Entwicklung unserer Gesellschaft zusammen”, philosophiert der Uhrmachermeister, “umso präziser unsere Uhr läuft, desto größer ist auch die von uns geforderte Pünktlichkeit. Natürlich denkt man sehr viel über die Zeit nach, wenn man Tag für Tag mit Uhren zu tun hat. Wir sind beide sehr offene Menschen und es macht einfach unheimlich Spaß, mit unseren Kunden und anderen Interessierten darüber zu sprechen. Und klar, durch die Events werden natürlich einige Leute auf uns aufmerksam.”

Persönlicher Kontakt und Networking sind also demnach immer noch unersetzbar. Die beiden jungen Unternehmer verlieren aber trotzdem den Aspekt der Digitalisierung nie aus den Augen: “Um die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen zu können, muss man sehr viel Zeit investieren und ich denke man lernt mit der Zeit auch, gezielter damit zu arbeiten.” Mit ihrer Social-Media-Strategie beweisen die Uhrmacher auf jeden Fall schonmal Stilsicherheit sowie exzellente Kenntnis ihrer Zielgruppe - und sind damit den meisten ihrer Branche definitiv einen Schritt voraus.