Geld das man nicht sehen kann? Noch vor wenigen Jahren undenkbar. Aber mit den neuen digitalen Währungen ist genau das passiert: Laut einer Umfrage von yougov sind mittlerweile 79% aller Amerikaner mit den Kryptowährungen vertraut. Geld wird mittlerweile im Netz geschürft statt in der Mine: mit Hilfe der Blockchain-Technologie. Seit Satoshi Nakamoto 2009 die erste digitale Währung erfunden hat, gab es einen regelrechten Hype.

Wer hinter diesem Namen steckt, ist bis heute ungeklärt. “Bitcoins” sagten aber plötzlich jedem etwas. Es herrschte Goldgräberstimmung im Netz. Aber mit den neuen Währungen ist auch eine neue Form der Kriminalität und neue Unsicherheiten aufgetaucht. Spannend ist das bargeldlose Zahlen dennoch nach wie vor. Mit den Kryptowährungen begann eine neue Ära des Bezahlens. Aber welche digitalen Währungen gibt es heute? Was sind die Vorteile und Gefahren? Zahlen wir bald alle ohne Bargeld? Lesen Sie die Antworten im folgenden Text.


Wo Sie digitale Währungen handeln können

Bitcoin ist immer noch der Marktführer unter den Kryptowährungen mit einem Anteil von 85%. Aber es gibt nach Schätzungen noch etwa 700 weitere digitale Währungen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Börsen:

Zahlreiche Seiten bieten Informationen zum aktuellen Kursindex, z.B. btc-echo.

Wieso sind die neuen Währungen reizvoll?

Die große Beliebtheit der digitalen Währungen hat viele Gründe:

  • Kein Inflationsrisiko

Kryptowährungen werden durch komplizierte Formeln geschürft. Da diese Formeln immer schwieriger werden, kann weniger Geld “entstehen”. Im Gegensatz zum Bargelddrucken, gibt es keine ungeregelte Geldvermehrung. Beispielsweise können insgesamt nur 21 Millionen Bitcoins erzeugt werden - über 17 Millionen wurden bereits erschaffen. Sollte jedoch irgendwann die Rechenleistung der Computer extrem verbessert werden, könnte dieser Inflationsschutz entfallen.

  • Gewinnchancen

Der Hype der Bitcoins entstand durch die großen Gewinne, die Anleger auf dem neuen Währungsmarkt erzielten. Immer noch gibt es gute Renditemöglichkeiten - besonders dank bestimmter Fonds, die auf Kryptowährungen setzen. Beispiele sind der schwedische Emittent xbtprovider und die Schweizer Bank vontobel, bei denen Sie Zertifikate für die Bitcoin-Spekulation kaufen können. Zuletzt erzielten einige der Mischfonds höhere Renditen als Aktienfonds.

  • Unkomplizierte Zahlungsmethode

Ein großer Vorteil der digitalen Währungen ist die unkomplizierte Abwicklung von Zahlungen: Überall auf der Welt, bei Bitcoins z.B. gebührenfrei und schnell. Da immer mehr Geschäfte die neuen Zahlungsmethoden akzeptieren, lässt sich bereits im realen Leben gut mit den modernen Währungen einkaufen. Bitcoins und Co. haben auch den herkömmlichen bargeldlosen Zahlungsverkehr noch einmal deutlich angeschoben: Kartenzahlungen sind in den meisten Läden heute selbstverständlich.

  • Unabhängigkeit von staatlichen Finanzsystemen und Regierungen

Die Nutzer von Kryptowährungen haben ein Parallelfinanzsystem geschaffen, auf das weder Banken noch Staaten Zugriff haben. Angebot und Nachfrage regeln den Index und die Wertsteigerung - die Unabhängigkeit bleibt gewahrt. Das ist vor allem in Zeiten von Finanzkrise und möglichen staatlichen Regulierungen für viele Nutzer interessant. Außerdem kann das Vermögen des Einzelnen von niemandem gesperrt oder eingefroren werden.

  • Transparenz

Wer Kryptowährungen schürft oder handelt, kann jederzeit die Buchführung einsehen. Denn die Blockchain-Technologie ist öffentlich. Entwicklungen können von den Nutzern also vorhergesagt werden. Das jeweilige System stellt alle Informationen bereit - der Anleger muss sie nur für sich interpretieren.

Was mildert den Glanz der digitalen Währungen?

Neben den zahlreichen Vorteilen sind durch die größere Bekanntheit der Kryptowährungen auch deren Gefahren sichtbar geworden:

  • Risiko von Hackerangriffen

Cyberkriminelle sind der natürliche Angstgegner jedes Bitcoin-Besitzers. Immer wieder gibt es Diebstähle wie bei Bitfinex, bei denen 120 000 Bitcoins aus Kundengeldern verschwanden, oder bei Coincheck, die 2018 um 530 Millionen Dollar geschädigt wurden. Der Sicherheitsexperte Kapersky rät deshalb beispielsweise zu Hardware-Wallets für Kryptowährungen sowie zu einer starken Software gegen Viren- und Hackerangriffe. Mit digitalen Währungen zu handeln und gleichzeitig keine Maßnahmen gegen Cyberkriminalität zu ergreifen, ist als würden Sie Geld vor die Tür legen und abwarten. Dieses Bewusstsein braucht es auch zu Hause vorm PC.

  • Umweltrisiko

Die digitalen Währungen sind wahre Stromfresser, denn die Schürfung braucht eine große Rechenleistung. Laut Stiftung Warentest benötigt eine einzige Bitcoin-Trans­aktion den monatlichen Strom­verbrauch eines Einfamilien­haus­halts in Deutsch­land. Wenn alle Transaktionen der Welt digital durchgeführt würden, bedeutete dies eine unsagbare Umweltbelastung.

  • Darknet-Währung

Da die Kryptowährungen nicht offenlegen, wer investiert, und gleichzeitig keine Konten gesperrt werden können, lockt das auch zwielichtige Gestalten an. Ursprünglich sind die digitalen Währungen daher die ultimative Darknet-Währung. Mittlerweile ist das digitale Geld aber nicht mehr unseriös. Es kommt auf die Spekulation an. Sogenanntes Initial Coin Offering, also der Kauf von virtuellen Firmenwerten gegen reales Geld, ist anfällig für Betrüger.

  • Verlustrisiko

Keiner weiß, wie sich der Markt der digitalen Währungen entwickelt. Aktuell sind die Gewinnchancen zwar gut, die Verlustrisiken aber nicht gering. Sowohl durch Diebstähle als auch unerwartete Kurseinbrüche können Anleger große Summen verlieren. Vor Weihnachten 2017 stürzte z.B. der Bitcoin von 20 000 auf 11 000 Dollar ab. Begründet wurde dieser Einbruch durch die Schließung der südkoreanischen Bitcoinbörse.

  • kein Käuferschutz

Der Vorteil, dass Überweisungen nicht nachvollziehbar sind und anonym bleiben können, hat noch einen Haken: Eine einmal getätigte Überweisung ist nicht zurücknehmbar. Damit ist das Risiko hoch, Geld an Betrüger zu verlieren.

Bargeld überlebt - digitale Währungen auch

Die Pros und Contras der digitalen Währungen sind klar. Die neuen Möglichkeiten reizen dazu, Kryptowährungen auszuprobieren. Wer ausreichend Vorsichtsmaßnahmen ergreift, der kann mit solchen Spekulationen durchaus Geld verdienen. Aber ist das auch Massentauglich? Jein, die Veränderungen auf dem digitalen Währungsmarkt führen automatisch zu einer Öffnung hin zu modernen Zahlungsmethoden für alle. Das heißt nicht, dass es dann kein Bargeld mehr gibt. Kunden lieben das haptische Erlebnis, ihr Vermögen “anfassen” zu können. Außerdem bietet die Barzahlung momentan gegenüber der Kartenzahlung noch ein hohes Maß an Anonymität. Niemand möchte komplett durchleuchtet werden. Laut einer Studie der Bundesbank ist Bargeld immer noch das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen. Bei kleineren Beträgen gilt dies noch viel mehr. Größere Beträge werden dagegen immer öfter mit Karte gezahlt. 4 von 5 Befragten würden die Abschaffung von Bargeld als persönliche Einschränkung empfinden. Hier fehlen noch die echten Alternativen.

In Zukunft könnten sich also digitale Währungen weiter ausbreiten, die mehr Freiheiten, mehr Datenschutz und größere Unabhängigkeit vom Finanzsystem als herkömmliche Kartenzahlungen ermöglichen Gleichzeitig werden Münzen und Scheine noch lange im Alltag bleiben.

Was sind Ihre Erfahrungen mit den digitalen Währungen? Erzählen Sie uns in den Kommentaren, ob Sie zu Bitcoin und Co. raten und warum.