Die Herrschaft der drei Ks ist vorbei, aber Gründe außerhalb von Kindern, Kirche und Küche sorgen dafür, dass das Wort Unternehmerin immer noch selten ist. Laut Statista hatten 2018 nur 9% der Top 200 Unternehmen weltweit weibliche Führungskräfte und nur 13,8% in den DAX-30-Unternehmen hatten Frauen als Vorstände. Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten schon getan, doch immer noch ist Gleichberechtigung Zukunftsmusik.

Die Digitalisierung könnte ein weiterer Anschubser hin zu mehr Frauen in Unternehmen sein. Das liegt daran, dass sie mit neuen Arbeitsmodellen, freier Zeiteinteilung und der Sprengung alter Machtstrukturen den Weg freimacht für Chefinnen, Gründerinnen und erfolgreiche Unternehmerinnen. Die deutsche Start-Up-Szene hat einen stetig wachsenden Anteil von Frauen: 15,1% waren es immerhin laut Deutscher Startup Monitor 2018. In ihrem eigenen Start-Up können sich Unternehmerinnen so verwirklichen, wie sie es in der patriarchalischen Struktur vieler alter Firmen noch nicht können. Der Wandel kommt also schleichend, aber er ist unaufhaltsam. Wie gelingt eine weiblichere Wirtschaft, die angeblich alle wollen? Lesen Sie im folgenden Text, welche Voraussetzungen es braucht, um Frauenpower in Unternehmen umzusetzen, und welche Beispiele für starke weibliche Führungskräfte es bereits gibt.

Mehr Frauen in gut bezahlten Jobs

Nach den 50ern war Frau froh, wenn sie überhaupt arbeiten durfte. Mittlerweile hat sich das Problem verlagert: Frauen arbeiten zwar, aber sie sind zum Großteil Geringverdiener. Der “klassische Frauenberuf” liegt im Betreuungs- oder Dienstleistungssektor. Nebenbei bringen diese Frauen dann noch kleine Wunder zur Welt. Die zwei Faktoren geringes Einkommen und Muttersein führen dazu, dass Frauen im Alter oft verarmen. Sie bekommen eine viel zu kleine Rente. Laut dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung haben Männer netto durchschnittlich zwischen 600 bis 1700 Euro mehr Alterseinkommen als Frauen. Was es also braucht, sind nicht mehr Frauen, die arbeiten, sondern Frauen, die bessere Jobs kriegen. Was müsste sich dafür ändern?

Faktoren für berufliche Gleichstellung

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit
“I can`t believe I still have to demonstrate for this shit” sagte ein Demo-Plakat 2018 bei einer feministischen Kundgebung. In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 21% weniger als ihre männlichen Kollegen im selben Job. Im Global-Gender-Gap-Report 2018 lag das fortschrittliche Deutschland auf Platz 14. Island auf Platz 1, obwohl selbst dort Frauen durchschnittlich 18% weniger verdienen. Allerdings tut das Land einiges, um das zu ändern: Für die Vorstände großer Unternehmen gibt es beispielsweise eine Frauenquote von mindestens 40% und Unternehmen mit mehr als 25 Angestellten sind verpflichtet, beiden Geschlechtern denselben Lohn zu zahlen. Hoffen wir, dass unsere Enkel sich dieses Schild in Zukunft sparen können.

Gute Kinderbetreuung

Damit ist nicht gemeint, dass es theoretisch einen Kitaplatz gibt, sondern das er wirklich existiert. Manche Eltern rasten vermutlich beim bloßen Gedanken an diesen Wunschtraum aus. Und mit Kitas ist es nicht getan, auch die Elternzeit muss für beide Elternteile selbstverständlicher werden. Zwar hat sich hier gesellschaftlich schon viel getan, aber ein Mann, der vormittags auf einem Spielplatz sitzt, wird in manchen Regionen Deutschlands immer noch misstrauisch beäugt. Kein Wunder also, dass 59,7% der Gründerinnen laut des Deutschen Startup Monitors gar keine Kinder haben. Das liegt sicher nicht nur daran, dass sie noch jung sind.

Umdenken in der Gesellschaft

Die Rollenbilder von Mann und Frau haben sich seit den “guten”, alten Dr. Oetker-Werbungen, in denen die brave Hausfrau mit einem duftenden Mahl auf ihren Liebsten wartet, weiterentwickelt. Aber es gibt auch immer wieder Gegenbewegungen und Leute, die ernsthaft meinen, Geld wäre z.B. keine Frauensache. In einer Studie des Vodafone Instituts gaben 62% der Gründerinnen an, dass sie sich als Kreditemfängerinnen nicht ernst genommen fühlen. Die Geldgeber wollten lieber in Männer investieren. Dass sie ohne die Erziehung ihrer Mama nie so weit gekommen wären, einen Stift zur Vertragsunterzeichnung halten zu können, vergessen sie dabei.

Staatliche Reformen

Es muss nicht immer gleich die Frauenquote sein, vor der viele mehr Angst haben als vor der globalen Erwärmung. Steuerreformen könnten Anreize für Familien schaffen, nicht länger einen “Großverdiener” arbeiten zu lassen und einen “Wenigerverdiener” im Haushalt zu beschäftigen. Wer könnte wohl dieser Wenigerverdiener sein? Während Sie noch rätseln, gleich noch weitere Vorschläge: Ein finanzieller Ausgleich zur Kindererziehung - unabhängig vom Geschlecht, das diese übernimmt. Zudem wird die “Mütterrente” immer wieder diskutiert, scheint aber manchen an die Grenzen seines Verständniswelt zu bringe. Das “Ich verurteile niemanden für sein Lebenskonzept” hört nämlich dort auf, wo die weibliche Hausfrau anfängt.

Empowerment zur Selbstvermarktung

Ein ganz praktischer Faktor wären Workshops, Netzwerke und Coachings zur Selbsthilfe. Oft sind Frauen es nicht gewöhnt, sich selbst gut zu verkaufen. Das Klischee der schönen stillen Frau passt nicht zur selbstbewussten Unternehmerin. Ein gesundes Selbstbewusstsein muss her. Die Vorstellung muss trainiert werden, dass die Führungsrolle eines Rudels sehr gut weiblich sein kann.

Mehr weibliche Vorbilder

Wir lernen am meisten durch Vorbilder. Ab der Kindheit wird Frauen beigebracht, dass es nur eine Prinzessin geben darf - im Gegensatz zu Jungs, die sich in Heerscharen von Rittern organisieren, um die Welt zu erobern. Es braucht aber dringend mehr weibliche Zusammenarbeit, um Gleichberechtigung in der Arbeitswelt zu erreichen. Einen Überblick über Frauen-Netzwerke finden Sie z.B. auf https://www.businessladys.de/frauen-netzwerke-initiativen/. Außerdem müssen Frauen sich untereinander über die positiven Beispiele austauschen, bei denen es bereits klappt mit der Führungsposition. Wie in diesen Fällen hier:

Starke Frauen in Unternehmen

Es gibt sie schon: Die Beispiele von Gründerinnen, Chefinnen und Unternehmerinnen. Sie haben zwar Seltenheitswert, doch diese Frauen wissen, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Wir haben uns in Startups und Unternehmen umgesehen:

Jana Tepe und Anna Kaiser - Berliner Gründerinnen

Ihre Firma: https://www.tandemploy.com/de/

Was sie machen:

Zwei Geschäftsführerinnen - das klingt neu. Jana Tepe und Anna Kaiser wollen Hierarchien öffnen. Auf Ihrer Jobsharing-Plattform können sich Menschen finden, die einen Job anbieten oder sich für ihn interessieren. Seit 2013 gibt es das Unternehmen bereits. Das Motto von Albert Einstein, das Anna Kaiser auf der eigenen Homepage vertritt, sagt vielleicht schon alles über die zwei jungen Frauen: “Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Das haben die beiden anders gemacht: Sie nutzen die digitale Welt, um mit ihren Kenntnissen aus HR & Marketing Arbeit flexibler für alle zu gestalten - mit freier Zeiteinteilung und mehr Zufriedenheit für die Mitarbeiter und sich selbst.

Chris­tia­ne Ben­ner - die Vi­ze­vor­sit­zen­de

Ihr Arbeitgeber: Die Industriegewerkschaft IG Metall

Was sie macht:

Nach einer 125-jährigen Geschichte ohne Frauen an der Führungsspitze der IG Metall, war Christiane Benner die erste, die diese Tradition brach. Als Soziologin und Gewerkschaftsfunktionärin hatte sie sich zuvor einen Namen gemacht. Heute gilt sie als eine der mächtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Sie glaubt fest daran, dass gemischte Vorstände erfolgreichere Unternehmen hervorbringen. Die IG Metall-Vizechefin kämpft für die Frauenquote, weil sie glaubt, dass die Firmen längst genug Zeit gehabt hätten, selbst auf freiwilliger Basis Veränderungen anzustoßen.

Simone Bagel-Trah - Aufsichtsratsvorsitzende eines DAX-Konzerns

Ihre Firma: Henkel Deutschland

Was sie macht:

In deutschen Aufsichtsräten sitzen mittlerweile 164 Frauen, aber es gibt nur eine, die einem DAX-Konzern vorsteht: Das ist Simone Bagel-Trah. Als Urenkelin des Firmengründers Fritz Henkel wurde ihr diese Aufgabe sozusagen vererbt. Doch der Erfolg ist hart erarbeitet: Nach ihrem Studium war sie drei Jahren außerhalb des Familienunternehmens in der freien Wirtschaft unterwegs. Mittlerweile setzt sie sich für die Förderung von Unternehmerinnen ein. Sie weiß, was es heißt Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, denn sie ist zweifache Mutter.

Yvonne Bauer - Verlegerin und Chefin

Ihr Unternehmen: https://www.bauermedia.com/

Was sie macht:

Nicht jeder kann behaupten, einen Jahresumsatz von knapp 2,3 Milliarden Euro zu verantworten - Yvonne Bauer schon. Neben den 600 Zeitschriften im Sortiment der Bauer Media Group und Beteiligungen an Hörfunk und Fernsehen investiert das Unternehmen unter ihrer Chefin in Start-Ups, um am digitalen Markt mithalten zu können. Die Unternehmerin löste 2010 ihren Vater, der sehr patriarchalische Strukturen etabliert hatte, ab. Seither beweist sie als Zwillingsmama, dass eine strenge Führung nicht immer Männersache sein muss. Zwei Monate nach der Geburt war sie bereits wieder im Unternehmen tätig - “um langfristig etwas zu erhalten und weiterzugeben” wie sie im Interview mit der Welt sagte.

Anna Alex und Julia Bösch - digitale Gründerinnen

Ihr Unternehmen: https://www.outfittery.de/

Was sie machen:

Die beiden Unternehmerinnen leben die Vorzüge der Digitalisierung: Sie haben einen Modehandel für Männer gegründet, der über das Netz berät und liefert. Julia Bösch arbeitete zuvor bei Zalando und lernte dann Anna Alex bei Rocket Internet kennen. Die beiden sind also ein gutes Beispiel dafür, wie weibliche Zusammenarbeit zum Erfolg führt: 2012 gegründet ist die Outfittery mittlerweile ein fest etablierter Versandhandel. Auf ihrer Internetseite stellen sie ihr Team mit einem Augenzwinkern als “Die Männerversteher” vor. Beide Frauen setzen sich aktiv gegen Frauenklischées ein. So hat Anna Alex z.B. das Netzwerk “Girl Tech” gegründet, um Technik-interessierte Frauen zu vernetzen.

Milena Glimbovski - umweltfreundliche Gründerin

Ihr Unternehmen: https://original-unverpackt.de/

Was sie macht:

Der Umweltgedanke spielte bei der Gründung von unverpackt eine große Rolle. Der erste plastikfreie Laden von Milena Glimbovski eröffnete bereits 2012 in Berlin - mittlerweile gibt es neben dem Online-Shop noch zehn weitere Filialen in ganz Deutschland. Die junge Unternehmerin hat zwei Bücher geschrieben, in denen sie sich mit dem Zero-Waste-Prinzip und dem Feminismus beschäftigt. Außerdem ist sie Verlagschefin: “Der gute Verlag” veröffentlicht unter ihrer Führung Bücher über Achtsamkeit. Passend dazu vertritt Milena Glimbovski eine ausgeglichene Life-Work-Balance: Obwohl sie Mutter und Firmenchefin ist, arbeitet sie nicht mehr als maximal 30 Stunden - gerne von zuhause aus oder in einem Co-Working-Space. Digitale Planung macht`s möglich. In einem Zeit-Interview gab sie an, dass sie um 14 Uhr jeden Tag Feierabend mache.

Antje von Dewitz - Geschäftsführerin

Ihr Arbeitgeber: https://www.vaude.com/de-DE/

Was sie macht:

Das Besondere an dieser Firmenerbin ist, dass sie das Unternehmen ihres Vaters, Albrecht von Dewitz, gründlich umgekrempelt hat. Sie passte es modernen Vorstellungen von Umweltverträglichkeit, Familienfreundlichkeit und Nachhaltigkeit an. Diese Entscheidungen scheinen nicht nur geschäftsfördernde Strategien zu sein, sondern Überzeugungen. Antje von Dewitz engagiert sich nämlich auch außerhalb des Unternehmens für Artenschutz und setzt sich bei Fair Wair für bessere Produktionsbedingungen von Kleidung ein. 2018 bekam sie den Ehrenpreis als “Brand manager of the year” beim German brand award. Die vierfache Mutter nahm ihr erstes Kind mit ins Büro und sorgte später dafür, dass die Betreuung bei Vaude verbessert wurde. Hinzu kamen flexible Arbeitszeitmodelle. Ihre Führungsrolle als Frau wird in der Berichterstattung über sie auffallend wenig thematisiert. Es geht tatsächlich um ihre Inhalte.

Die Zukunft ist weiblich

Es gibt bereits zahlreiche positive Beispiele für starke Frauen in Unternehmen. Der Fortschritt kommt, aber er braucht noch ein bisschen Anlauf. Am Ziel ist die Gleichberechtigung im Beruf dann, wenn wir nicht mehr über Frauen in Führungsrollen sprechen, sondern sie als selbstverständlich wahrnehmen. Bis dahin braucht es noch einige Anstrengungen in der Gesellschaft, aber auch von staatlicher Seite und nicht zuletzt sind die Frauen selbst gefragt, sich die nötige Hilfe zur Selbsthilfe zu holen und zusammen zu arbeiten.

Wie gehen Sie die Geschlechterfrage in Ihrem Unternehmen an? Erzählen Sie uns in den Kommentaren, welche Maßnahmen für mehr Gleichberechtigung Sie bereits getroffen haben.